02 / 15 · Wirtschaft
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat durchgerechnet, was Austritt aus EU und Euro, Abschottung und Kürzungen staatlicher Ausgaben bedeuten würden: weniger Beschäftigung, niedrigere Löhne und weniger verfügbares Einkommen.
AfD-Programm, Kapitel IX. Wirtschaft und Tourismus, Einleitung, S. 142:
„Eine AfD-geführte Landesregierung wird den wirtschaftlichen Niedergang und die damit verbundene De-Industrialisierung stoppen. […] [Sie] wird einen wirtschaftlichen Aufschwung und einen Re-Industrialisierungsprozess einleiten.”
Was dagegen spricht:
Das Ziel würde jeder unterschreiben – nur wirken die geforderten Mittel in die entgegengesetzte Richtung. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat durchgerechnet, was Austritt aus EU und Euro, Abschottung und Kürzungen staatlicher Ausgaben bedeuten würden: weniger Beschäftigung, niedrigere Löhne und weniger verfügbares Einkommen. Beim Einkommen fielen die Verluste in Sachsen-Anhalt anderthalbmal so hoch aus wie im Bundesdurchschnitt.
Konkrete Folge für Sachsen-Anhalt:
Getroffen wären vor allem die Betriebe, die vom Binnenmarkt leben: Nach der Berechnung des DIW würden eine Rezession und der Bruch mit dem EU-Binnenmarkt exportabhängige Unternehmen und ihre Zulieferer treffen. Für Sachsen-Anhalt ergäben sich daraus rund 10.000 zusätzliche Arbeitslose; je nach Modellrechnung liegt die Spanne zwischen 6.000 und 23.000.
Wer seine Arbeit behält, hätte weniger davon. Die realen Löhne im Land würden um etwa acht Prozent sinken, das sind rund 200 Euro weniger im Monat – die Schätzungen reichen von 60 bis 340 Euro. Vor allem die hohe Inflation infolge eines Euro-Austritts würde die Reallöhne drücken.
Insgesamt läge das reale verfügbare Einkommen in Sachsen-Anhalt um 6,2 Prozent niedriger, etwa 1.600 Euro pro Kopf und Jahr. Im Bundesdurchschnitt sind es 4,0 Prozent. Sachsen-Anhalt verlöre also anderthalbmal so viel wie die Republik insgesamt, weil das Land älter, strukturschwächer und von kleineren Unternehmen geprägt ist. Am stärksten träfe es Mansfeld-Südharz, den Burgenlandkreis und den Salzlandkreis mit sieben bis acht Prozent.
Quelle:
- Marcel Fratzscher, „Sachsen-Anhalt zeigt das AfD-Paradox: Strukturschwache AfD-Hochburgen würden unter ihrer Politik am stärksten leiden”, DIW aktuell Nr. 121, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, 24. Juli 2026 — https://www.diw.de/de/diw_01.c.1014790.de/publikationen/diw_aktuell/2026_0121/sachsen-anhalt_zeigt_das_afd-paradox__strukturschwache_afd-hochburgen_wuerden_unter_ihrer_politik_am_staerksten_leiden.html